Pressemitteilungen

Kindergrundsicherung wäre Durchbruch für Alleinerziehende!

Berlin, 11. Januar 2019. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) begrüßt den Beschluss der SPD-Bundestagsfraktion, ein Modell für eine Kindergrundsicherung vorzulegen. Im Gespräch ist eine Grundsicherung in Höhe von 620 Euro. Hierzu erklärt Erika Biehn, Vorsitzende des VAMV:

„Trotz guten Willens an vielen Stellen sind die bisherigen familienpolitischen Gesetzespakete für Alleinerziehende kein Durchbruch, denn das schlichte Erhöhen von einzelnen Leistungen bringt ihnen wenig. Statt einer Verbesserung stellen Alleinerziehende in der Regel fest, dass sie zwar mehr Geld in der linken Tasche, aber dafür weniger in der rechten Tasche haben. Teilweise haben sie sogar weniger Geld als zuvor. Deshalb ist ein grundlegender Systemwechsel hin zu einer Kindergrundsicherung notwendig.

Die Kindergelderhöhung um 10 Euro in diesem Jahr ist ein Beispiel dafür: Denn im gleichen Zuge wie das Kindergeld steigt, sinkt der Unterhaltsvorschuss oder die SGB II-Leistung. Die jetzige Familienförderung ist gut für verheiratete Eltern mit höherem Einkommen. Für Alleinerziehende ist sie eher ein Dschungel mit vielen Fallstricken. Leistungen wie Unterhaltsvorschuss, Kinderzuschlag und Wohngeld sind so schlecht aufeinander abgestimmt, das manche Alleinerziehende nach dem Ausbau des Unterhaltsvorschuss 2017 mit weniger Geld als zuvor dastand. Mit dem gerade vom Kabinett gerade beschlossenen „Starke-Familien-Gesetz“ wird sich daran leider wenig ändern.

Deshalb begrüßen wir, dass nach der LINKEN und den GRÜNEN nun auch die SPD die Forderungen nach einer Kindergrundsicherung aufgreift. Wir brauchen eine Förderung von Familien, die Kinder unabhängig von der Familienform ihrer Eltern erreicht und ihr Existenzminium absichert. Damit kein Kind im Dschungel der familienpolitischen Leistungen verloren geht. Denn jedes Kind ist gleich viel wert.“

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) vertritt seit 1967 die
Interessen der heute 2,7 Millionen Alleinerziehenden. Der VAMV fordert die Anerkennung von Einelternfamilien als gleichberechtigte Lebensform und entsprechende gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Er tritt für eine verantwortungsvolle
gemeinsame Elternschaft auch nach Trennung und Scheidung ein.

PM_VAMV_Kindergrundsicherung_11012019

 

Integrationshelfer für die Nachmittagsbetreuung in einer Offenen Ganztagsschule nicht ausgeschlossen

Nummer 52 vom 6. Dezember 2018

Behinderte Kinder können gegen den Sozialhilfeträger einen Anspruch auf
Übernahme der Kosten für einen Integrationshelfer (Schulbegleiter) als
Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung auch für Angebote der
Nachmittagsbetreuung in einer Offenen Ganztagsschule haben. Dies hat der
8. Senat des Bundessozialgerichts in zwei Verfahren entschieden (B 8 SO
4/17 R und B 8 SO 7/17 R), die allerdings wegen fehlender tatsächlicher
Feststellungen zum konkreten Gegenstand der Angebote sowie der Eignung
und Erforderlichkeit für die Schulbildung der Kläger zur abschließenden
Entscheidung an das Landessozialgericht zurückverwiesen wurden.

Entscheidend für die Abgrenzung der unabhängig von Einkommen und
Vermögen zu erbringenden Hilfen zur angemessenen Schulbildung und der
bedürftigkeitsabhängigen Leistungen zur Teilhabe am Leben in der
Gemeinschaft sind die mit den Angeboten verfolgten Ziele. Liegen diese
insbesondere in der Unterstützung, Erleichterung oder Ergänzung der
Schulbildung, ist auch der zur Unterstützung des behinderten Kindes hierfür
erforderliche Integrationshelfer eine Hilfe zur angemessenen Schulbildung,
wenn sie diese zumindest erleichtert. Will das Nachmittagsangebot jedoch
etwa durch gemeinsames Spielen lediglich die Zeit überbrücken, bis die
Eltern sich wieder ihrer Kinder annehmen, hat es allenfalls mittelbar eine
positive Auswirkung auf die Schulbildung im Rahmen der allgemeinen
Schulpflicht. In diesem Fall kommt nur eine Hilfe zur Teilhabe am Leben in
der Gemeinschaft in Betracht.

8-Senat Pressemitteilung 2018 52

 

Aufbau der ersten Koordinierungsstelle für Alleinerziehende in Hessen durch den VAMV Landesverband Hessen

Frankfurt, 03.08.2018 Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Hessen baut eine Koordinierungsstelle für Alleinerziehende auf. Unterstützt wird er hierbei durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration.
Ziel der Koordinierungsstelle in Hessen wird die landesweite Koordination und der Aufbau von Kontaktstellen, Alleinerziehenden-Initiativen sowie die Information und Erstberatung von Alleinerziehenden in allen Bereichen. Die Koordinierungsstelle für Alleinerziehende in Hessen soll zentrale Anlaufstelle für alle Alleinerziehenden in Hessen sein und damit eine Lotsenfunktion wahrnehmen.

Kontakt: Gabi Bues, 069-979818884, info@vamv-hessen.de

PM VAMV NRW: Sofortprogramm Pflegekräfte – ohne ergänzende Kinderbetreuung kein Erfolg

Der VAMV Hessen unterstützt die Stellungnahme des VAMV Nordrhein-Westfalen. Die jahrelange Forderung nach ergänzender Kinderbetreuung (Ranzeitenbetreuung) ist auch im Bereich der Pflege ein Beitrag um Eltern aus der Arbeitslosigkeit und Pflegeeinrichtungen aus dem Personalmangel zu befreien. Es ist zu hoffen, dass die Politik dies hört.

Der VAMV NRW schreibt dazu:

Essen, 06.07.2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sucht 35000 Pflegekräfte. In seinem Eckpunktepapier „Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege“ skizziert der Minister Sofortmaßnahmen, die den Alltag von Pflegekräften spürbar verbessern sollen. Die letzte beschriebene Maßnahme in dem Eckpunktepapier ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Dieser Punkt muss viel stärker in den Fokus genommen werden“, mahnt Antje Beierling vom Verband allein erziehender Mütter und Väter Landesverband NRW (VAMV NRW). „85 Prozent der Beschäftigten im Pflegebereich sind Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für viele die zentrale Voraussetzung für eine Berufstätigkeit – gerade für Alleinerziehende.“

Weiterführende Informationen haben wir für Sie in einer Pressemeldung zusammengefasst: VAMV-NRW_Reaktion-auf-Eckpapier-Kranken-Altenpflege_06072018

Sollten Sie Fragen zu dem Essener Angebot „Sonne, Mond & Sterne – ergänzende Kinderbetreuung“ oder dem Verband allein erziehender Mütter und Väter Landesverband NRW haben, steht Ihnen unser Vorstand Antje Beierling gerne zur Verfügung.

Twitter-User sammeln Spenden für Alleinerziehende

Liebe Leser*innen,

In dem Artiel der Märkischen Zeitung vom 11.06.2018 schreibt die MAZ über einen kleinen Post in Twitter mit einer großen Wirkung. Hier wurde einer Mutter mir drei Kindern in einem Einzelfall durch Spenden geholfen. Eine vordergründig tolle Sache. Aber wäre es nicht angeraten einmal über die Situation von Alleinerziehenden und deren Kinder generell nachzudenken und zu berichten. Die Ausgangssituation im beschriebenen Fall ist leider keine Ausnahme.http://www.maz-online.de/Nachrichten/Panorama/Twitter-User-sammeln-Spenden-fuer-Alleinerziehende

Mit folgendem Text zweier Alleinerziehenden aus dem AE Imaga Projekt, Eilsa Pugliese und Pamela Edwars, möchten wir Ihnen das Thema und die Schattenseite dieser Situation näherbringen.

Quote

Dankbarkeit mit bitterem Beigeschmack !

Vor einigen Tagen wurde in den sozialen Medien über eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern berichtet, die verzweifelt war, weil sie die 3 Klassenfahrten ihrer Kinder nicht bezahlen konnte und die sich bei anderen Alleinerziehenden erkundigte, wann der beste Zeitpunkt sei, ihren Kindern mitzuteilen, dass sie nicht mitfahren könnten.
Aus dem Beitrag heraus entstand eine Spendenaktion, die der Mutter eine bemerkenswerte Geldsumme einbrachte und ihre Sorgen rund um die Klassenfahrten erstmal beseitigte.

Aus Sicht der Mutter und den Kindern erschien die Nachricht äußerst positiv und der Leser wirkt zuerst berührt von der Hilfsbereitschaft der anderen Menschen. Einige Alleinerziehende unter uns lasen aber den bitteren Beigeschmack zwischen den Zeilen. Sie fragten sich, wie die Mutter sich gefühlt hat bei der Annahme der Spenden: peinlich berührt, beschämt? Um eine Leistung ohne Gegenleistung anzunehmen, muß man erstmal seinen Stolz und seine Würde überwinden.

Wir Alleinerziehenden wollen nicht betteln, wir wollen nicht in den Medien bloß hestellt werden. Wir möchten uns das Geld erarbeiten oder es durch geltendes Recht von den Instanzen zugeteilt bekommen, so wie es uns gleichwürdig zusteht. Das heißt entweder durch den unterhaltspflichtigen anderen Elternteil oder durch das Teilhabepaket, welches den Bedürftigen zusätzlich zu den Sozialleistungen zusteht. Wir möchten, dass Grundbedürfnisse wie Wohnung, Essen, Kleidung, Schule und außerschulische Veranstaltungen gesichert sind für jedes Kind.

Leider gelten nicht für alle Alleinerziehenden gleiche Bedingungen. Die Ursachen sind verschiedenen Ursprungs:

Vielen Alleinerziehenden ist es nicht möglich, genug Stunden zu arbeiten, um ein ausreichendes Gehalt zu erwirtschaften. Es mangelt an ausreichenden Betreuungszeiten, besonders in Berufen mit Schicht- und/oder Wochenenddiensten. Flexible Arbeitszeiten und home-office Modelle werden von vielen Arbeitgebern noch nicht praktiziert. Jeder 2. Unterhaltspflichtige zahlt nicht oder nur teilweise oder unregelmäßig Unterhalt für die Kinder (die Frankfurter Allgemeine berichtete über diese Tatsache ausführlich am 14.11.2017). Hinzu kommt die teilweise monatelange Bearbeitungszeit der Unterhaltsvorschuß Anträge und der ähnlich lange währenden Bearbeitungszeit des Jobcenters für die Anträge zum Teilhabe Paket.

Alle anderen Alleinerziehenden, die diese Hürden aufgrund von Vollzeitbeschäftigung nicht nehmen müssen, fühlen sich spätestens am Ende jeden Monats ungerecht behandelt, nämlich wenn sie auf ihre Gehaltsabrechnung schauen und die Abzüge ihres Lohns nach Steuerklasse zwei vergleichen mit den Abzügen eines kinderlosen Ehepaares, denn auch hier greift das Ehegattensplitting, beziehungsweise mit den Abzügen einer Familie mit einem Hauptverdiener.

Unser Fazit ist, dass trotz der Dankbarkeit, die mit der anfänglich beschriebenen Situation gegenüber den Spendern sicherlich flächendeckend vorhanden ist, wir den bitteren Beigeschmack nicht ignorieren können, und zwar die Tatsache, dass diese Bedürftigkeit in solch einem Umfang gar nicht erst entstehen dürfte, wenn die Politik die längst überfälligen Maßnahmen ergreifen würde.

Einsichten in die ungerechte Besteuerung von Alleinerziehenden können Sie unter folgendem Link vertiefen:

https://enorm-magazin.de/steuernachteile-fuer-alleinerziehe…

Ende des Zitats.

Der Verband alleinerzeihender Mütter und Väter in Hessen kann die Darstellungen nur unterstützen und bestätigen. In unserer täglichen Arbeit in der Beratung und in den vielen Gesprächen bei Treffen und Veranstaltungen werden uns diese Fakten immer wieder dargelegt und bestätigt. Warum ändert sich an dieser Situation nichts? Warum haben Alleinerziehende trotz guter Ausbildung – über 60% der AEs verfügen über einen mittleren bis hohen Bildungsabschluss –  keine Möglichkeit, sich und Ihre Kinder zu versorgen, ohne auf Spenden und Hilfen angewiesen zu sein? Warum wird die Leistung der AEs nicht anerkannt, gewürdigt und gefördert? Das Thema muss endlich in der Mitte der Gesellschaft ankommen.